Dr. Phil. Vladimir Litvinenko

beantwortet die Fragen zum Projekt

Die Wiederkehr des Faschismus – XXI

(Das Stenogramm vom Interview am 19.09.2012)

 

 

 

Video - Teil 1

Mein Name ist Vladimir Arkadjevitsch Litvinenko, ich bin Doktor der Philosophie und Dozent am Lehrstuhl für Geschichte, Philosophie und Kulturologie an der Scholochov Moskauer Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität.

In letzter Zeit kamen viele Streitigkeiten um den Film "The Soviet Story" auf. Zuerst wurde dieser im Westen gezeigt, nun wird er aktiv ins Russische übersetzt.

Aus diesem Anlass erschienen Bücher, Aufsätze, Monografien. Jedoch sind nicht alle Fragen, die in Verbindung mit der Veröffentlichung dieses Films zu diskutieren wären, in den Blick der Öffentlichkeit gerückt sind, und ich möchte jenen Fragen etwas Aufmerksamkeit widmen.

Wenn man diesen Film allgemein beurteilen sollte, der als ein wissenschaftlicher und dokumentarischer angepriesen wird, so ist der Rückschluss eindeutig: Es gibt dort weder Wissenschaftlichkeit, noch Dokumentarität. Das ist eine gewöhnliche Agitation in den besten Traditionen der Göbbels-Schule. Aber die Nazis – das muss man denen lassen – arbeiteten feiner und klüger.

Es ist etwas mit ihren westlichen Nachfolgern geschehen: sie haben’s verlernt.

Allerdings sind alle Mängel, flagrante Fälschungen und Manipulationen bereits mehr oder weniger analysiert. Ich möchte die Aufmerksamkeit auf die weniger offensichtlichen Fragen fokussieren.

Zum Beispiel...

 

 

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des neuen, bislang ungekannten Globofaschismus. Was sind die Ursachen und Voraussetzungen für das Wiederaufleben des Faschismus/Nazismus in Europa und im Westen allgemein?

Video - Teil 2

Ziemlich interessante Frage: Voraussetzungen und Ursachen für das Wiederaufleben des Nazismus.

Nun, erstens, gibt es kein Wiederaufleben des Faschismus deswegen, weil er nie weg war. Er verschwand nie: In 1945 wurde das Dritte Reich als die rechtliche Komponente der nazistischen Ideologie zertrümmert. Es wurden die Deutsche Wehrmacht und die SS-Truppen als Machtkomponente der nazistischen Ideologie zerstört. Aber die Ideologie selbst verschwand nirgendwohin.

Die Idee des Faschismus lebte weiter und entwickelte sich, weil sie nicht etwas ausschließlich germanisches ist. Deutschland wurde einfach zum aktiven Geleiter dieser Ideen. Die Idee selbst, die Ideologie selbst entstand viel früher, als der Begriff "Faschismus" aufkam. Das ist der Fall, wo die Ideologie früher entsteht als der Begriff, mit dem sie bezeichnet wird.

Der Faschismus kam zu uns aus Italien, und das eigentlich faschistische in ihm – in der Form, wie wir diesen Terminus, diesen Begriff, heute verstehen – gab es nicht. Übersetzt aus dem Italienischen bedeutet "fascismo" bloß "das Bündnis". Es ist so, dass im Jahre 1922 an die Macht nicht nur eine Partei kam, sondern ein Bündnis der Parteien. Daher kommt auch der Begriff "fascismo".

Eine andere Sache ist es, dass die italienische Variante des Faschismus sich in seinen unmenschlichen Parametern sehr wenig von derjenigen des Hitlers unterscheidet. Aber dies ist nicht das Modell, von dem wir heute sprechen. Man hat eben den Faschismus lautstark der Gräueltaten beschuldigt, aber die Gräueltaten sind an sich ein Teil der Kultur Europas. Die Massenhinrichtungen waren doch lange Zeit eine Hauptunterhaltung der städtischen Bevölkerung, und diese Kultur wurde bis zur Perfektion gebracht.

In Russland gab es so etwas nie. Es gab, natürlich, Hinrichtungen, auch Massenhinrichtungen, aber sie war die traurige Notwendigkeit, auf die auch nicht so oft zurückgegriffen wurde. Obwohl man uns des Gegenteils beschuldigt: Ivan der Schreckliche wird als blutrünstiger Kannibale angesehen – er hat sogar dreieinhalb Tausend Menschen hingerichtet, einige sagen, noch mehr. Aber er ist weit entfernt von der britischen Königin, die gleichzeitig mit ihm herrschte: Alleine von den betitelten Adeligen hat sie neunzig Tausend geköpft und gehängt!

Nicht zu sprechen ist von der Bartholomäusnacht, oder vom Dreißigjährigen Krieg, vom Aufstand in Département Vendée – es kann an vieles erinnert werden. Aber darum geht es nicht.

Die Tatsache ist, dass die wirklich nazistische Ideologie am Anfang des 19. Jahrhunderts in Frankreich entstand, dass die ersten faschistischen Organisationen am Anfang des 20. Jahrhunderts in England aufkamen, und erst danach wurde diese Idee mit entsprechenden Modifikationen in das Bewusstsein des deutschen Volkes eingeprägt. Die Deutschen haben sie aufgenommen. Sie mussten von den Knien aufstehen, sie waren durch den Versailler Friedensvertrag zersört und bereit, jede beliebige Ideologie zu ergreifen, die dies ermöglichte.

Man kann viele Ursachen analysieren, aber jetzt ist dies nicht die Frage. Der Hauptpunkt besteht darin, dass die nazistische Ideologie tatsächlich nirgendwohin verschwand.

Wenn man auf den Verlauf des Nürnberger Prozesses und auf die Serie der nach ihm gefolgten Prozesse genauer hinschaut – insbesondere können die zwölf „Nürnberger Prozesse“ als Beispiel genommen werden, die in der amerikanischen Besatzungszone abgelaufen sind: Die Alliierten haben es vereinbart, dass jede der Siegermächte das Recht hat, in der eigenen Besatzungszone den Kriegsverbrechern eigene Gerichtprozesse zu machen, abgesehen vom Hauptprozess.

In der amerikanischen Besatzungszone wurden 12 solcher Prozesse durchgeführt. Wenn man jedes dieser Prozesse analysiert, so wird eine allgemeine Tendenz sehr deutlich:

1) Anstatt der echten Verurteilung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit – die Beseitigung der meistgehassten Regime-Vertreter, deren Verbrechen zu verbergen es einfach unmöglich war.

2) Beseitigung der sekundären Vollzieher, die viel zu viel wussten.

3) Von der wahren Eilite des Dritten Reichs wird der Schlag abgewiesen, mit der darauffolgenden Inkorporierung in die Elite des Westens.

Als Beispiel kann das Urteil in dem Prozess "Vereinigte Staaten von Amerika gegen Ernst von Weizsäcker". Dieses Prozess wurde in der Zeit von 15. Januar 1947 bis 11. April 1949 geführt. Das war ein Prozess, wo oberste Funktionäre und Leiter unterschiedlichster Ministerien und Ämter des Nazi-Deutschlands angeklagt waren. Insgesamt waren es 21 Angeklagte.

Also, ich erlaube mir, es vorzulesen. 

Ernst von Weizsäcker, Staatssekretär im Außenministerium, Leiter der politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, Konsul Deutschlands in Vatikan, Brigadeführer der SS. 5 Jahre Gefängnis. Vorzeitig entlassen.

·   Gustav Adolf Steengracht von Moyland, Staatssekretär für Außenpolizik im Auswärtigen Amt, Leiter der Schutz-Abteilung im Auswärtigen Amt, Mitglied des persönlichen Staabs und Hauptadjutant des Reichsministers des Auswärtigen Amts Joachim von Ribbentrop im Rang des Gesandten der 1. Klasse. 5 JahreGefängnis. Vorzeitig entlassen.

Wilhelm Karl Keppler, Staatssekretär für besondere Aufgaben im Auswärtigen Amt, Unternehmer, Mitglied im Vorstand verschiedener Firmen, Komissar für Wirtschaftspolitik der NSDAP ab 1932, Komissar Hitlers für Wirtschaftsfragen ab Juli 1933, persönlicher Sekretär Görings und gleichzeitig Leiter der Planungsabteilung im Vorstand des Vierjahresplanes, Obergruppenführer der SS. 10 Jahre Gefängnis, danach wurde die Haftdauer auf 5 Jahre und 9 Monate Gefängnis runtergesetzt. Entlassen am 01.02.1951.

Und so – mit jedem. Die Liste vorzulesen wird viel zu lange dauern, aber keiner von denen hat den Rang niedriger als Gruppenführer der SS gehabt (hier ist ein Versprecer des Experten: Gruppenführer, eins der höchsten Ränge in der SS und der SA, entsprach ab 1933 dem Rang des General-Leutnants; Brigadenführer hingegen – ein spezieller Rang für die höchsten Offiziere der SS und der SA, entsprach dem Rang des General-Majors der Waffen-SS (Anm. d. Red.)), welcher kein geringer Rang ist und nicht unsonst vergeben wurde. Zweitens, ungeachtet der eindrucksvollen Haftstrafen – es bekamen doch einige von denen je 20 Jahre Gefängnis – hat keiner von denen tatsächlich länger als ein Jahr abgesessen.

Es stellt sich die Frage: Wofür brauchte man, die Elite des Dritten Reichs in die europäischen Institutionen zu inkorporieren, einschließlich der legalen Institutionen, wenn sie auch nicht immer ihre Aktivitäten zur Schau gestellt haben? Die Elite – und zwar, jede Elite! – ist doch der Träger des kulturellen Kerns desjenigen Projekts, das sie ins Leben gerufen hat. Wenn ich "Elite" sage, meine ich nicht die Führung des Dritten Reichs – das waren die Vollzieher. Sie kamen an die Macht, weil man sie ließ. Wer ließ das zu? Gerade diese Elite ließ es eben zu.

Man kann eine Menge von Dokumenten auflisten, all dies gibt es in der öffentlichen Presse, deswegen hat es keinen Sinn, die Zeit darauf zu verschwenden. Wofür wollte der Westen den kulturellen Kern des Nazistischen Projekts erhalten – oder ist das alles bloß Einbildung? Leider nicht. Dass dies keine Einbildung ist, zeigt uns anschaulich das Erscheinen jenen Films („The Soviet Story“ – Anm. d. Stenogr.). Das ist die klarste Bestätigung. Noch klarer, meiner Meinung nach, braucht man nicht. Trotzdem, auch andere Manifestationen gibt es zu genüge – solche, wie die Märsche der SS-Veteranen (in den Baltischen Ländern – A. d. Ü.), die Verewigung des Gedenkens der Offiziere der SS in der Ukraine und in den Baltischen Ländern. Noch ein Zeugnis – die Zerstörung der Denkmähler der sowjetischen Kämpfern – derjenigen Denkmähler, die angeblich "die dunkle Vergangenheit", Okkupation und so weiter symbolisieren.

Warum wird eine derart schamlose Propaganda geführt? Einerseits – die Verherrlichung des Nazismus, andererseits – die Zerstörung der Denkmähler und der Erinnerung an die Rote Armee? Doch deswegen, weil die Rote Armee die einzige Kraft war, die wirklich den Faschismus bekriegen konnte. Und die kommunistische Ideologie, bei allen ihren Mängeln, die es zweifellos gab, war die einzige Kraft, die wirklich die faschistische Ideologie bekriegen konnte. Was auch immer man im Westen heutzutage sagen möge, aber, um das ganze Westeuropa zu überwältigen, hat Hitler genau 44 Tage gebraucht.

Demnach, erstens – man sollte sich über die Integration der Elite des Dritten Reichs in die Elite des Westens nicht wundern. Wenn wir an die Pläne Himmlers denken, wo es um die Struktur Europas nach dem Krieg ging – diese Dokumente sind in der öffentlichen Presse ebenfalls verfügbar und wurden ziemlich breit diskutiert – und dann anschauen, was die heutige Europäische Union darstellt, werden wir uns wundern, wie stark sie sich ähneln.

Zweitens, steht in der Heiligen Schrift geschrieben: „An ihren Taten erkennt ihr sie“ – Evangelium nach Matthäus (genauer: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen...“ – Evangelium nach Matthäus 7:20 – Anm. d. Red.). Und nach den Taten richtend: Jugoslawien, Afganistan, Egypten, Lybien, Syrien – wir haben es hier gerade mit Nazismus zu tun. Die Methoden sind dieselben: ein absolut unbedeutender Grund – und es folgt ein massiver Angriff mit Einsatz beliebiger Vernichtungsmittel.

Drittens – der Kampf gegen den Kommunismus – ist ein Kampf gegen die einzige Kraft, wie ich schon sagte, die imstande ist, wirklich gegen die faschistische Ideologie zu kämpfen. Sie fürchten just den russischen Kommunismus, mit dem Euopäischen Kommunismus können sie sich arrangieren – sie haben es doch im Jahre 1941 auch getan! Es genügt, sich die Bilder der Chronik anzusehen: Eine besetzte Stadt in jedem, beliebig ausgesuchten, besetzten Gebiet in der Sowietunion mit einer besetzten Stadt in jedem, beliebig ausgesuchten, besetzten Gebiet im Westeuropa zu vergleichen.

In Paris gab es eine Ausstellung von Photos, die von den französischen Photoreporteuren in der Zeit von 1941 bis 1944 gemacht wurden. Es sind farbige Photos, Blicke auf Paris. Die Ausstellung wurde in einem Tag verboten – in einem demokratischen Land! Deswegen, weil sie anschaulich zeigte, wie Frankreich gegen den Nazismus Krieg führte. Gar nicht! De Gaulle hat es nicht umsonst verboten, die Frage um die Kollaboration zu diskutieren und den französischen Widerstand irgendwie hochzupreisen. Weil es das erste im Überschuss, und das zweite fast gar nicht gab.

 

Video - Teil 3

Das bedeutet nicht, dass die Franzosen gar nicht gegen den Faschismus gekämpft haben. Haben sie, und sogar wie! Dies waren die wenigen, die es tatsächlich im Frühling 1941 versucht haben, etwas zu tun, dann die wiederum wenigen, die tapfer in der Gruppenstärke der Fliegerstaffel Normandie-Nijmen kämpften und viele andere.

Aber man darf es nicht vergessen, dass der Hauptanteil der Franzosen ruhig mit dem nazistischen Regime auskam, und dass die ganze Division Charlemagne eine Division der SS war, und dass gerade diese SS-Männer die letzten Verteidiger der Reichskanzlei waren.

Folglich, zu fürchten ist eben der russische Kommunismus: Es ist nicht möglich, mit uns übereinzukommen, weil der Krieg, der im Osten geführt wurde, ein Vernichtungskrieg war, und wir erinnern uns daran. Folglich, es sollte keinen Begriff wie Russland geben. Wenn schon der Nazismus wieder auflebt – sollte es keine Kraft geben, die sich ihm in den Weg stellen können wird. Hieraus resultieren sich all die Ereignisse, die heutzutage in der Welt passieren, das Erscheinen dieses Films eingeschlossen.

Die zweite Frage, die ich diskutieren möchte, ist die Frage über die Macht.

 

 

 

 

Die Machtfrage allgemein. Worauf basiert die Legitimität der Macht im Westen? Ist es möglich, dass das Bild Russlands vorsätzlich verzerrt wird – im Übrigen, zur Aufrechterhaltung der Legitimität der Macht? Braucht man nicht etwa ein Feindbild, das man aus Kommunismus, aus Russen macht um diese Legitimation aufrechtzuerhalten? Unterdem Vorwand angeblicher Suche nach der Wahrheit werden erschreckende Manipulationen, Fakten-Verdrehungen, Fälschungen gemacht. Ist das heutzutage der gewöhnliche Gang der Dinge in den westlichen Demokratien? Ist es richtig, für die angebliche „Wahrheit“ auf solche Weise zu kämpfen, und ist es notwendig, dagegen zu wirken? Wer könnte von dem Erheben derartigen Benehmens in der Politik, in den Massmedia in eine Norm profitieren?

 Video - Teil 4

Die Frage ist, selbstverständlich, hinreichend schwierig und umfangreich, es ist nicht möglich, sie eindeutig zu beantworten. Die Frage der Legitimation ist sehr aktuell heute: Wir alle erinnern uns an die Ereignisse im Winter (gemeint sind die Ereignisse in Russland im Winter 2012 – A.d.Ü.), als alle über die fehlende Legitimation der Staatsmacht, über die Unrechtmäßigkeit der Duma sprachen und stattdessen die Demokratie der Straße anboten. Aber wer hat gesagt, dass die Demokratie der Straße legitim ist? Warum haben die zwanzig Tausend, sei es auch hundert Tausend, sogar eine Million, die auf die Straße gehen, das Recht, im Namen des Volkes zu sprechen? Wersindsie? DasVolkistvielgrößer. Das Volk – das ist etwas anderes, das ist nicht die Masse auf der Straße.

Aber wenn man schon von der Legitimität spricht, so lassen Sie uns doch die Entstehungsgeschichte, die Etymologie dieses Terminus erinnern, wovon überhaupt die Rede ist.

Also, die Etymologie des Begriffs stammt aus dem Lateinischen, „legitimus“ bedeutet „nach Gesetzen, rechtmäßig, gerechtfertig“. Max Weber hat diesen Terminus in den wissenschaftlichen Umlauf gebracht, er unterschied drei Typen der Legitimität, ich zitiere: „Im Prinzip existieren drei Typen innerer Rechtfertigungen der Legitimation: Erstens, die Autorität des „ewig gestrigen“ – die Autorität der Sitten, geheiligt durch ursprüngliche Geltung und rechtliche Ausrichtung auf deren Einhaltung hin. Die traditionelle Herrschaft, wie sie vom Patriarchen oder patrimonialen Fürst alter Art ausgeübt wurde.

Weiter, die Autorität der unwählbaren „persönlichen Gabe“, des Charisma. Die volle persönliche Treue und persönliches Vertrauen, die durch das Vorhandensein bei irgendeiner Person folgender Eigenschaften der Leitfigur hervorgerufen wurden: Offenbarungen, Heldentum und andere. Die charismatische Herrschaft, wie sie ein Prophet ausübt, oder auf dem politischen Gebiet – der gewählte Fürst, Heerführer, oder der durch die allgemeine Abstimmung gewählte hervorragender Demagoge oder Parteiführer.

Schließlich, die Herrschaft durch die Kraft der Rechtmäßigkeit, durch die Kraft des Glaubens in die Verbindlichkeit legaler Festlegung und sachlicher Kompetenz, begründet durch die rational estellten Regeln, d.h. durch die Ausrichtung auf die Unterwerfung bei Befolgung festgelegter Regeln. Die Herrschafft auf die Weise, wie sie ein moderner Staatsdiener vollzieht und all die Machträger, die sich ihm in jener Hinsicht ähneln.“ Mit anderen Worten, Max Weber unterscheidet Monarchie, Diktatur und Demokratie. Selbstverständlich, bevorzugt Max Weber die letztere, und das ist klar.

Aber lassen wir die Theorie in Ruhe und versuchen, das Wesen des Geschehens zumindest in erster Näherung zu verstehen. Erstens, die demokratische Form der Legitimation bevorzugend, hält Max Weber sowohl die Monarchie, als auch Diktatur genauso für legitim. Wer sagte heute, dass diktatorische Regimes nicht legitim sind? Warum sind sie nicht legitim? Weil die „zivilisierte Menschheit“ dies so entschied? Aber wer gab der „zivilisierten Menschheit“ das Recht, solche Sachen zu bestimmen? Zu seiner Zeit hatte Adolf Hitler die ihm unewünschten Territorien als nicht-legitime Regimes bezeichnet. Der Vergleich der Prinzipien und Normen des heutigen Westens mit Nazi-Deutschland ist, meiner Meinung nach, durchaus gerechtfertigt, denn ich wiederhole es: „An ihren Taten erkennt ihr sie“.

Versuchen wir doch, das Wesen des Problems zu verstehen und lassen die wissenschaftlichen Definitionen beiseite. Also, was ist denn die Legitimation? Das ist die Frage des Übereinkommens zwischen den unterschiedlichen sozialen Gruppen, die in dem Begriff „das Volk“ zusammengefasst sind. Des Übereinkommensworin? InderEinhaltungeinerbestimmtenVorgehensweise. Das heißt, die Vorgehensweise muss eingehalten werden. Die zwölf „Nürnberger Prozesse“, die die Amerikaner in ihrer Besatzungszone durchgeführt haben, waren doch, streng genommen, nichts anderes als eine Vorgehensweise. Das Urteil war unwichtig –man hat dann sowieso alle freigelassen. Aber die Vorgehensweise musste eingehalten werden: Die so genannte „positive Remoralisierung“, nach der Terminologie des Marshall-Plans.

Ursprünglich gilt die Vorgehensweise (Prozedur) als Ausdruck eines gewissen Sinns: Zum Beispiel, die Prozedur der Wahl des Zaren durch das Landeskonzil mit darauffolgender Salbung. Oder die Willenserklärung des Volkes bei den Wahlen in die Organe der Staatsmacht. Unabhängig davon, wie die gegenseitigen Beziehungen zwischen unterschiedlichen Gesellschaftsschichten sind, wird die Prozedur stets eingehalten. Darauf basiert das Prinzip jeglicher Legitimität. Wenn es keine Prozedur gibt, so darf nicht einmal von Diktatur gesprochen werden – dies ist schon keine Diktatur, das ist bereits etwas anderes.

Das Wesen jeder sozialen Revolution oder jedes Staatsstreiches besteht im Wechsel oder in erheblicher Korrektur der Vorgehensweise bei der Machtergreifung. Das heißt, wenn die Revolution keine neue Vorgehensweise geschaffen hat, dann ist das keine Revolution.

Man kann heute soviel man will die Bolschewiken beschimpfen und sie aller Totsünden beschuldigen, aber sie dafür anklagen, dass sie so eine Vorgehensweise geschafft haben, die für die Mehrheit der Bevölkerung Russlands annehmbar war?... Das ist ein unbestrittenes Faktum! Ja, diese Vorgehensweise war von der demokratischen weit entfernt. Ja, sie hat denjenigen nicht gefallen, die das Russische Reich zerstörten – in jedem Fall waren dies nicht die Bolschewiken, sie hatten einfach nicht die Stärke dazu. Na und? Sie (diejenigen, die das Russische Reich zerstörten – A.d.Ü) hatten Zeit, ihre eigene Vorgehensweise zu etablieren – sie taten das aber nicht.

Wer ist schuld daran, dass die Provisorische Regierung die ihr von der Geschichte überlassene Zeit nicht genutzt hatte, um die eigene Vorgehensweise (Prozedur) zu erschaffen? Niemand. Wurdensiedaran gehindert? Natürlich. DerpolitischeKampfverschwandnirgends. Aber sie hatten unvergleichlich mehr Kräfte, als die Bolschewiken. Zu bolschewistischen, wenn ich mich richtig erinnere, sind die Räte (die Sowjets[1]) erst Ende 1918 geworden. Im Jahre 1917 waren die Bolschewiken in der Minderheit. Wer hat die Provisorische Regierung daran gehindert, eine adäquate Prozedur zu erschaffen? Keiner. Siekonntenes nicht. Aber wenn sie es nicht konnten, so gibt es nichts zu besprechen.

In der Tat, war die Prozedur, die die Bolschewiki etabliert haben, nicht nur weit entfernt von der Demokratie, sie war hinreichend hart. Dies gefiel dem Westen und den hauseigenen Liberalen nicht – aber dies ist eben eine Revolution. Die Sache ist nämlich nicht diese, ob die Bolschewiki gut oder schlecht handelten. Die Sache ist diese, ob sie richtig oder falsch handelten. Der Zar handelte gut, aber falsch. Und da gibt es nichts zu besprechen – es gibt weder den Zaren, noch das Russische Kaiserreich.

Die Provisorische Regierung ging auch falsch vor. Infolgedessen, hat sie aufgehört zu existieren. Die Bolschewiki gingen jedoch richtig vor – infolgedessen ist der Sowjetische Staat entstanden, und der Denikin[2] selbst musste einräumen, dass es den Bolschewiki das gelang, was der Weißen Armee nicht gelingen konnte: Sie haben das Russische Kaiserreich in dessen historischen Grenzen wiederhergestellt. Dies ist der beste Beweis der Richtigkeit.

Dann konnte dieses wiederhergestellte Russische Imperium, jedoch auf anderen ideologischen und wirtschaftlichen Grundlagen basierend, nicht nur eine reale Konkurrenz dem Westen bilden, sondern auch eine der schrecklichsten Invasionen stoppen, die unser Land, doch auch die ganze Welt, jemals bedrohte.

Also, der Sinn jeder Revolution ist die Etablierung neuer Regeln, die sich als mehr oder weniger akzeptabel für die Mehrheit der Bevölkerung eines Landes erweisen. Jedoch, die neuen Regeln etabliert, ist die dominierende Gruppe – in diesem Fall die Bolschewiki – gezwungen, sich mit den anderen sozialen Gruppen auf die Etablierung dieser Regeln zu einigen, und ist im weiteren dazu verurteilt, nach diesen Regeln zu handeln.

Dabei nimmt die dominierende soziale Gruppe auf sich gewisse Verbindlichkeiten, deren Nichteinhalten unweigerlich zu ihrer Ablösung auf eine oder andere Art führt. In gegebenen Fall meine ich nicht einmal die Wahlversprechen – diese müssen nicht erfüllt werden, was auch stets geschieht, indem man die einen oder die anderen Gründe anführt. Die Rede ist von viel seriöseren Dingen.

Die Provisorische Regierung, indem sie die Leitung des Landes übernahm,  nahm die Verbindlichkeit auf sich, dieses Land zu erhalten. Diese Verbindlichkeit wird standardmäßig genommen. Die Provisorische Rigierung tat dies nicht. Die Bolschewiki nahmen die Verbindlichkeit auf sich, das Land wieder aufzubauen – und sie taten das. Natürlich, kann man mir entgegnen – um welchen Preis? Die Antwort: um jeden. Deswegen, weil die Zerstörung des Landes solche Auslagen nach sich ziehen wird, die um Größenordnungen diejenigen übertreffen, welche bei der blutrünstigsten Diktatur auftreten würden.

Das heißt nicht, dass ich die blutigen Methoden der einen oder der anderen Diktatur rechtfertige. Aber diese sind in jedem Fall besser als die Vernichtung des Landes. Was denn, fließt heute kein Blut in Libyen? Doch, es fließt Blut, und es wird noch sehr lange fließen, weil das Land gibt es nicht mehr. Und die Diktatur, die das Regime von Kaddafi ablöste, ist viel blutiger als die, die vorher da war.

 

 

 

Video - Teil 5

Also, von welchen Verbindlichkeiten sprechen wir überhaupt? Die Rede ist von bedingungslosen Dingen, die möglicherweise gar nicht geäußert werden: das ist die territoriale Integrität, das ist die nazionale Sicherheit, dies ist die Souveränität des Landes, dies ist die Aufrechterhaltung der Kultur, der Traditionen, der Bräuche des Volkes als des Trägers bestimmter Idee – nicht der Ideologie, sondern der Idee.Wenn diese Idee aufhört zu funktionieren, wenn es sie nicht gibt, so gehen die das Volk vereinigende "Schnallen" (Verbindungen) verloren und das Volk beendet seine Existenz.

Die regierende Elite, die dominierende soziale Gruppe, verpflichtet sich, diese "Schnallen" zu wahren, den Kern der Kultur zu hüten wie eigenen Augapfel – die Bolschewiki haben das gemacht. Ja, ich unterstreiche noch einmal, man kann sie aller Todsünden beschuldigen und das nicht immer ohne Grund, aber ihre Hauptverpflichtung hielten sie ein.

Also, wenn die Revolution aus dem Punkt der Legitimität betrachtet wird, dann ist dies auch eine Prozedur – die Prozedur des Wechsels der Elite, des Wechsels der herrschenden Klasse. Es ist offensichtlich, dass die gegebene Prozedur von der Großen Französischen Revolution legitimiert wurde, die unter dem Motto „Freiheit. Gleichheit. Brüderlichkeit“ verlief. Genauso offensichtlich ist es, dass, die Bourgeoisie, die an die Macht gekommen ist, solche Regeln aufgestellt hat, die einen Wechsel der Elite nicht vorgesehen haben. Es ist natürlich, dass jeder Versuch, diese Regeln zu ändern, als nicht legitim gelten wird, sowie auch die Kraft oder die Kräfte, die diesen Versuch unternehmen werden.

Die einzige Möglichkeit, ein derartiges Ergebnis zu erreichen, ist, den Sinn von der Prozedur wegzunehmen. Und dem Westen ist das im vollen Umfang gelungen. In den Gesellschaften westlicher Art erwirbt diese Prozedur (oder Vorgehensweise) mit der Zeit einen selbstgenügsamen Charakter und beginnt leider, den Sinn zu überwiegen.

Wenn man von vielen absolut offensichtlichen Bestandteilen dessen, was bei uns auf dem Bolotnaya-Platz und Sacharow-Platz ablief (Ende 2011 – erste Hälfte 2012, Anm. d. Red.), absieht, so kommt man zu einer sehr einfachen Schlußfolgerung: Das war der Versuch, der Wahlprozedur in Russland selbst die Reste des Sinns, der in ihr noch steckte, zu entziehen. Als Ergebnis (solcher Vorgehensweise – A.d.Ü.) haben wir den „arabischen Frühling“, d. h. das Heranrücken an die Macht der radikalsten islamistischen Kräfte auf dem durchaus legitimen Wege.

Ich erinnere daran, dass Adolf Hitler auch durch einen durchaus legitimen Weg an die Macht kam – na ja, hauptsächlich legitimen. Immerhin hat der größte Teil der deutschen Gesellschaft ihn akzeptiert, und das Volk folgte ihm – das kann niemand abstreiten: Es genügt, sich die Bilder der Chronik anzusehen. Man kann vieles fälschen und manipulieren, wenn man den Stand der heutigen digitalen Technologien bedenkt, aber das, wie man die deutschen Streitkräfte auf deutschsprachigen Territorien Polens begrüßte, kann man nicht fälschen – die Menschen haben die Panzer mit Blumen überworfen, sie küssten die Soldaten der Wehrmacht und der SS, empfingen sie wie ihre Befreier. Man kann die Bilder der Chronik anschauen, wie die Streitkräfte der Wehrmacht in Österreich einmarschierten – das war ein volksweiter Jubel. Das bedeutet, dass die vom Sinn befreite Idee der Legitimation zu solchen Ergebnissen führen kann.

Nun zur Frage über Kommunismus: Tritt der Westen nur gegen ihn an, oder wird gerade Russland zu diesem Objekt, unabhängig von dem politischen System und der Ideologie?

 

 

 

Video - Teil 6

Wenden wir uns an die Geschichte.

Nach den Napoleonischen Kriegen, in denen Russland die Schlüsselrolle spielte, wurde in Europa die sogenannte „Pentarchie“ etabliert. Im Rahmen dieses Systems war Russland, das das größte Territorium und die mächtigste Landarmee besaß, die einzige Supermacht auf dem Kontinent.

Selbstverständlich, konnte es unseren Partnern nicht gefallen. Dies passte ihnen keinesfalls. Somit, begann der Westen, direkt nach Beendigung der Napoleonischen Kriege, Russland aktiv aus dem europäischen Raum zu verdrängen. Außerdem, began er, jegliche Ansprüche Russlands auf die Rolle des Verfechters der christlichen Werte und der Stütze gleichgewichtiger zwischenstaatlicher Beziehungen aktiv zu unterdrücken.

Die Quintessenz jener Bestrebungen wurde der Krymkrieg der Jahre 1853-1854. Dieser Krieg weihte das völlige Ende der „Pentarchie“ und die Schaffung des Systems der sogenannten „bewaffneten Neutralität“ ein. Solche Parameter der Großmacht, wie die Landarmee und das Territorium, genügen nicht mehr, der Westen beginnt, eigene Parameter der Großmacht auszuarbeiten, mit anderen Worten, die neuen Spielregeln, die neue Legitimation auszuarbeiten, die es zulässt, dem Verein großer Mächte beizutreten. Eben da erscheint der Begriff „Großmacht“. Dabei sind die Regeln so beschaffen, dass Russland aufgrund jener oder der anderer – wie objektiver, so auch subjektiver – Umstände definitionsgemäß nicht dem Verein der „Großmachte“ beitreten kann.

Der Status hangt mehr und mehr vom Kultur- und Wirtschaftszustand, vom Bildungsstand der Bevölkerung, von ihrer Selbstdisziplin, von der Effizienz des rational organisierten Verwaltungssystems, von der Ernährungslage, vom Vorhandensein einer entwickelten medizinisch-sanitären Kontrolle, von der Infrastruktur des Verkehrs und schließlich von einem bestimmten Niveau des politischen Freidenkens ab. Ziemlich liberale Kriterien, die auf protestantischer Ethik basieren, aber Russland ist kein protestantisches Land. Russland ist ein orthodoxes Land.

Man kann mir nochmal widersprechen: Wir haben einen weltlichen Staat. Ja, wir haben eine weltliche Regierungsform. Aber unsere Kultur ist orthodox, davon kann man doch nicht weglaufen. Es ist doch nicht die Sache, welche Regierungsform etabliert ist: religiöse oder monarchistische... Die Kultur basiert auf religiösen Präferenzen. Zwei Atheisten, zwei Doktoren der Naturwissenschaften: aber, wenn einer von denen in Moskau und der andere, sagen wir, in Bagdad geboren wurde, werden sie sich in einer gleicher Situation verschieden benehmen. Der eine wird sich wie ein Orthodoxer, der andere wie ein Moslem verhalten. Es ist unwichtig, wie ihre persönliche Beziehung zur Religion ist – alles wird von derjenigen Kulturschicht bestimmt, auf der die Persönlichkeit aufgebaut wird. Einschließlich des kollektiven Bewusstseins, ich meine das Volk.

Natürlich, können die liberalen Kriterien in der orthodoxen Ethik nicht im vollen Umfang angewandt werden: Viele der Parameter erweisen sich als inakzeptabel. Es genügt, sich mit der Arbeit von Max Weber „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ vertraut zu machen. Indem er Benjamin Franklin zitiert, führt er einen bemerkenswerten Satz an: „Wenn der Schein der Sittlichkeit dasselbe Ergebnis liefert, wie die echte Sittlichkeit, so ist die echte Sittlichkeit überflüssig“. In der orthodoxen Ethik ist das inakzeptabel. Entweder gibt es die Sittlichkeit, oder es gibt sie nicht! Es kann keine Rede von irgendwelchem Schein der Sittlichkeit sein.

Wenn hier (in Russland – A.d.Ü) ein einfacher Leutnant einen Thronfolgen zum Duell herausfordern konnte – nur deswegen, weil er meinte, dass jener sich unmoralisch benommen habe... Wenn wir uns aufmerksam mit der Geschichte der Romanows[3] vertraut machen, dann sehen wir, dass jeder Großfürst mindestens fünf mal duellierte, befor er den Tron bestieg. Ist so etwas möglich irgendwo im westlichen Europa? Dass jemand den Prinzen von Anjou, oder Herzog von Alençon, oder den Fürsten von Wales duellieren wollte – diesen Adeligen hätte ich gern gesehen.

Wenn es mit dem kuturellen und dem wirtschaftlichen Potential, zumindest aus unserer Sicht, alles in Ordnung war, so stand es mit dem politischem Freidenken im Rahmen des autokratischen Russlands, sagen wir mal, etwas anders. Aus unserer Sicht war alles in Ordnung: gar kein Freisinn, und das war normal. Aus westlicher Sicht war das nicht akzeptabel.

Folglich, aus der Sicht des Westens und des pro-westlichen Teils der Intelligenz innerhalb des Landes, musste Russland modernisiert werden, um in den gesamteuropäischen Kontext integriert zu werden, also um sich von den Faktoren zu befreien, die die Entwicklung ausbremsten. Als einen der Entwicklung bremsenden Hauptfaktoren nannte die Westliche Presse die Russisch-Orthodoxe Kirche. Es genügt, sich die Überschriften einiger Artikel anzuschauen, beginnend etwa ab dem Jahr 1912 und weiter. Aus irgendwelchem Grund speziell ab dem Jahr 1912 begann eine gehetzte Propaganda gegen die Russisch-Orthodoxe Kirche in den Vereinten Staaten von Amerika und sie wurde von der ganzen westlichen Presse aufgegriffen.

Und nun lasst uns die westlichen und viele unsere liberale Medien lesen, was sie über die Orthodoxe Kirche schreiben, und wir werden sehen, das die Situation unverändert bleibt. Demnach ist es unwichtig: das Russische Imperium, die kommunistische Sowjetunion oder das ziemlich leberal-demokratische Russland – das spielt keine Rolle – solange Russland auf der Weltkarte existiert, werden wir dieselben Feinde haben, die im Laufe des Jahrtausends da waren, im Übrigen ist dies naturgemäß.

Unser Staat steht seit tausend Jahren und davon haben wir nur ein hundert fünfundvierzig Jahre nicht gekämpft, und selbst das nicht ununterbrochen. Die übrige Zeit ist die Geschichte unserer Kriege. Seit der Zeit des Kiewer Rus und bis zum Jahr 1991 hatten wir Feinde und nach 1991 sind sie plötzlich verschwunden?! Gibtesso etwas? Bestimmtnicht! Das Erscheinen dieses Films, ich unterstreiche nochmals, ist der anschaulichste Beweis dessen, dass sie nirgends verschwanden.

Also, die Diskussionen zwischen den Pro-westlichen und den Slawophilen wurden immer schärfer. Mehr noch, der Westen begann, die Bewegungen nationaler Minderheiten auf der Peripherie Russischen Imperiums aktiv zu fördern mit der Unterstützung ihrer Gesuche der Absonderung. In erster Linie betraf es Kongresspolen, Großfürstentum Finnland und Kaukasus. Was in diesen Ländern geschah, kennen wir anschaulich aus unserer neuesten Geschichte.

Nach der Meinung Westens, besaß Russland unverschämt große Territoren, die es nicht effektiv nutzen konnte. Der Westen meinte, diese viel effektiever nutzen zu können. Und, laut der erwähnten protestantischen Logik, wenn Sie meinen, dass Sie es machen können, dass sind Sie verpflichtet, es zu tun. Folglich, musste Russland seine Territorien verlieren.

Natürlich, überschritt, bei diesen Bedingungen, das Bestreben Russlands zur Vergrößerung des eigenen Einflusses in Persien oder in China den Rahmen des gesunden Verstands aus der Sicht der westlichen politischen Intelligenz, aber auch nicht nur politischen. Besonders regte unsere Geschlossenheit den Westen auf: Sie konnten nicht zu unseren heimischen Märkten Zugang finden, konnten unser Wirtschaftssystem nicht kontrollieren. Einst sagte einer der Gründer des Stammhauses Rotschild, Natan Rotschild: „Gebt mir die Kontrolle über die Finanzen des Landes und mir wird es gleichgültig sein, wer in der Regierung sitzt“. Und das ist wahr. Der Westen konnte weder über unser Wirtschaftssystem, noch über unsere Märkte die Kontrolle erlangen: Sie waren dicht verschlossen.

Also, die Diskussionen zwischen den Pro-westlichen und den Slawophilen werden äußerst scharf. Nach Meinung von Leontjew[4] hat die Stunde der Wahl geschlagen: Zwischen dem Beitritt zur westlichen Gesellschaft, der Teilnahme im „europäischen Konzert“ durch territoriale Konzessionen und kultureller Assimilation, und der Verteidigung eigener Eigenheit, des eigenen politisch-geographischen Raums, der geschichtlich entstandenen wirtschaftlichen Formation“ – das ist ein direktes Zitat.

Wir hatten es nie vor, Konzessionen zu machen, sowie auch uns zu assimilieren, folglich sind wir Feinde. Weil das Faktum unserer Existenz alleine ist eine Bedrohung für den Wohlstand Westens. Ich unterstreiche: Es ist absolut unwichtig, welche politische Ordnung wir haben, wie sind unsere ideologischen Bestrebungen, es ist absolut unwichtig, dass wir niemanden angreifen wollen, absolut unwichtig, wie wir unsere Beziehungen mit den anderen Ländern planen – alleine die Tatsache dessen, dass das Russische Imperium, die Sowjetunion oder die Russische Federation in einem fast unversehrten Zustand geblieben sind, treibt den Westen in den Wahn.

Nun, um diesen Gedanken möglichst klar anschaulich zu machen, gebe ich ein einfaches Beispiel: Denkt etwa jemand, dass die Amerikaner, die Franzosen, die Engländer und ihresgleichen hätten sich so etwas in Lybien erlaubt, wenn die Sowjetunion existiert hätte? Es wäre nicht einmal nötig, die Streitkräfte zu alarmieren: ein einziger Zerstörer hätte ausgereicht, damit sich alle sofort beruhigen.

 

 

 

Video - Teil 7

Jedoch kehren wir zur Geschichte zurück – welche Folgerung kann man aus dem oben gesagten ziehen? Seit dem Beginn der Demontage der „Pentarchie“ nimmt die ganze Politik Westens unvermeidlich einen antirussischen Charakter an.

Somit, wird jeder Staat, der es anstrebt, dem Verein der großen Mächte beizutreten oder der Staat, der die Schirmherrschaft eines der Großmächte beansprucht, ist zur antirussischen Politik verurteilt.

Wenn der gegebene Staat mit Russland jedoch befreundet sein möchte – dann ist er dazu verurteilt, mit Russland den all den Unmut Westens zu teilen. Ein markantes Beispiel: Serbien – sowohl in den Zeiten Russischen Imperiums, als auch heute. Ein nicht weniger markantes Beispiel: Bulgarien, das nicht wollte, mit Russland all die Strapazen zu teilen. Als Ergebnis nahm Bulgarien in den beiden Weltkriegen auf Seite unseres Feindes teil. Und heute wird in Bulgarien darüber aktiv verhandelt, dass das Denkmal für den sowjetischen Soldaten unter dem Namen „Aljoscha“[5] demontiert werden müsse, weil es dort jemanden stört. Die Bulgaren haben vergessen, was sie dem russischen Soldaten zu verdanken haben – und das nicht nur in den Zeiten des Großen Vaterländischen Kriegs[6]. Aber das kurze geschichtliche Gedächtnis kann zu sehr traurigen Konsequenzen führen.

Also, es fängt die geistige Konsolidierung Westens gegen Russland an, gerade die geistige Konsolidierung, weil es irgendwelche geopolitischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen eigentlich nicht gab.

Wir nahmen an der europäischen Wirtschaft nicht besonders viel Teil, obwohl, selbstverständlich, wirkten wir mit – jedes zweite Ei, das in der Welt vor 1913 verkauft wurde, war russisch und jedes zweite Kilogramm Honigs auch, und vieles andere mehr.

Natürlich, spiegelt sich solche geistige Konsolidierung in der Innenpolitik des Russischen Reichs wieder. Am deutlichsten kommt sie in der Zeit des Alexanders III zum Vorschein.

Wahrscheinlich ist es eben diese Wiederspiegelung der Innen- und Aussenpolitik, die in seiner folgenden Äußerung enthalten ist: „Russland hat nur zwei Verbündete – die Armee und die Flotte“.

Allerdings, am klarsten kommt die Innenpolitik Russlands, gegen den Westen gerichtet, während der Regierungszeit des Nikolaus II zum Ausdruck. Das Antiwestliche selbst nimmt ziemlich schnell die Form des Kampfs gegen den Liberalismus an. Einer der prominentesten Vertreter der späten Slawophilen, Leontjew, erklärte den Liberalismus zum „generellen und schlimmsten Feind, der dem Volke mehr Verwüstung bringen kann, als der Sozialismus mit seinen Elementen der Disziplin und der Organisation“, – und er hatte Recht! Und das (sagte er) dann, als der Liberalismus eine enorm modische Strömung unter den Vertrettern der herrschenden Klasse war.

 

 

Video - Teil 8

Nun, der Liberalismus war überaus in Mode, liberal waren alle. Doch wie wir bereits erwähnten: beruht der Liberalismus auf protestantischer Ethik. In Russland ist hingegen die Orthodoxe Kirche die Grundlage der Kultur.

Wenn das Verhältnis zur orthodoxen Kirche im Westen ziemlich schwierig war, immer überaus feindselig, doch im Allgemeinen schwierig. Warum schwierig? Es ist bloß eine orthodoxe Strömung im Christentum, die nach Meinung der Vertreter dieser Kreise, sich bei der positiven Umwandlung Russlands und folglich bei der Förderung ihrer Interessen als störend erweist! Für den Vatikan, der zur damaligen Zeit über keine Staatlichkeit verfügte, jedoch nicht seinen Einfluss nicht verlor, ist sie (die orthodoxe Kirche) ein Todfeind.

Dass ist eben die Grundlage der geistigen Konsolidierung, mit dem Todfeind muss man bis zu seiner Vernichtung kämpfen. Für die Russen ist der orthodoxe Glaube nicht einfach eine Religion, nicht einfach die Grundlage der Kultur, es ist eine Staatsbildende tragende Konstruktion, deren Zerstörung nicht zulässig ist.

Folglich, konnten die Angriffe auf die russisch orthodoxe Kirche nicht positiv von der russischen Gesellschaft aufgenommen werden, auch in der herrschenden Elite, einschließlich der prowestlichen Elite. Deshalb ist der Übergangsregierung nichts gelungen.

Der herzliche Wunsch sich dem westlichen Wege nach zu bewegen stieß auf inneren Widerstand, durchaus möglich auf unbewussten Widerstand, und zwar der Unmöglichkeit der Zerstörung von Grundlagen eigener Kultur!

Mich könnte man wiederum Fragen: "Und was ist mit den Bolschewiki? Die vernichteten doch den orthodoxen Glauben!" Ich bin gezwungen zu entgegnen. Die Bolschewiki taten dem orthodoxen Glaubennichts.Die Bolschewiki machten ihn zum Teil der Kommunistischen Ideologie.Denn heute denken nur wenige darüber nach dass den Satz: "Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen", nicht Lenin sagte, nicht Trotzki und nicht Karl Marx sondern der Apostel Paulus ("Denn als wir bei euch waren, haben wir euch die Regel eingeprägt: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen". 2.Thessalonicher 3,10 – A.d.Red.) Doch namentlich mit diesem Satz beginnt der Moralkodex der Erbauer des Kommunismus.

(Ich unterstreiche nochmals sehr genaue Worte des Experten, die einen Konkreten Gedanken widerspiegelt haben: "Die Bolschewiki taten dem orthodoxen Glauben nichts". Man sollte hier den Experten nicht irgendwelcher Unachtsamkeit oder Unwissenheit beschuldigen: die Bolschewiki unter der Leitung von Leo D. Trotzki zerstörten die Russisch Orthodoxe Kirche. Mit der Ideologie, mit dem orthodoxen Glauben konnten sie jedoch nichts machen. Mehr noch, wie der Experte es auch sagte, gerade die orthodoxe Ideologie wurde in die neue rote Ideologie übernommen, ich nehme es an, als eines ihrer Hauptteile. – A.d.Red.)


 

 

Video - Teil 9

Ein besonderes Ausmaß nimmt die Kritik gegen den orthodoxen in den Vereinigten Staaten von Amerika Glauben in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach der Meinung der herrschenden Kreise und unterstützt von der öffentlichen Meinung, wie in Amerika so auch in den Ländern der Alten Welt, war die russisch orthodoxe Kirche das Hindernis, dass im bedeutendem Maße die ökonomischen und politischen Reformen nach "amerikanischem Vorbild" im Russischen Imperium bremste. Diejenigen Reformen, die in den Vereinigten Staaten als ideal angesehen wurden.

Die Religiöse Erweckungsbewegung, das heißt der Massenhafte religiöse   Enthusiasmus, den amerikanische Forscher als "Christian revival" bezeichnen abgeleitet vom Wort "revival" – Wiedergeburt.

(Erweckungsbewegungen oder Christian revival, vom engl. revival – Wiedergeburt, sind die plötzlichen Erweckungen des religiösen Gefühls bei den Menschen, die in die praktische Tätigkeit vertieft sind, vor allem bei Nordamerikanern, wobei manchmal die fanatischen oder hysterischen Neigungen zur Sicht kommen. Quelle: Das Neue volle Lexikon der Fremdwörter von E. Efremov unter der Redaktion J.A. Baudouin de Courtenay. 2. Auflage. 1912 – A.d.Red.)

Dass heißt, dass ungefähr zu dieser Zeit in Amerika der protestantische Geist wiedergeboren wird. In Europa war er zu dieser Zeit natürlich schon etwas abgeschwächt, und in Amerika gab es neue Länder, den Wilden Westen. Und man musste nicht so sehr legitimieren, sondern vielmehr irgendwelche moralische "Segnung von oben" für die Vernichtung von Indianern geben. Heute wird dass auch vergessen.

Am Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts unterstützte sie (die Religiöse Erweckungsbewegung – A.d.Ü) die Umstellung der Kraftanwendung der Verfechter des Amerikanismus von den Einzelaufgaben auf die weltweite Ebene, mit anderen Worten die politische, wirtschaftliche und kulturelle Expansion der USA begann soeben auch eine spirituelle Dimension zu bekommen.

Natürlich, bedarf jede Expansion einer spirituellen Dimension, anderenfalls verwandelt sie sich in eine gewöhnliche Aggression.

Allerdings im Falle der russisch orthodoxen Kirche, die als eine der ersten unter den Beschuss der Kritik von der gegebenen Position kam, beschränkte sich die Sache nicht nur auf die Zusammenarbeit mit dem Staat.

Es geht darum, dass der Kirche vorgeworfen wurde, dass sie mit dem Staat zusammenarbeitet. Doch warum sollte die Kirche nicht mit dem Staat  zusammenarbeiten, wenn sie eine Staatsbildende Kraft ist.

Wenn es sich in Russland so ergeben hatte, dass diese Staatsart, die wir heute kennen sich gerade um den orthodoxen Glauben herauszubilden begann?

Seit Menschengedenken gab es in Russland das Prinzip der Symphonie, das heißt der Einheit von weltlicher und geistlicher Macht. Darauf wurde das Fundament der russischen Kultur gelegt!

Formell wurde das gegebene Prinzip zu der Regierungszeit von Peter I. (Peter dem Großen – A.d.Ü) und der Begründung des russischen Imperiums gebrochen, doch nur Formell, denn faktisch ist das Prinzip der Symphonie nirgends verschwunden!

Die Kirche blieb wie vorher das richtige Fundament der Kultur, und die Kultur ist mit der Abschaffung des Patriarchentums nirgends verschwunden.

Sie veränderte ihre Form, sie modernisierte sich, doch sie verschwand nirgends. Darüber hinaus, hat es sich so ergeben, dass gerade die Kultur diese "Schnallen" (Verbindungen) bildet, die den Zerfall der russischen Gesellschaft nicht zulassen. Im Westen steht für solche Verbindungen das Gesetz – das Recht, in Russland hat sich das Konzept des "Rechtes" nicht durchgesetzt, weil es hier das (westliche) Konzept der "Freiheit" unverständlich ist: bei uns gab es niemals Sklaverei, und folglich ist das Verständnis des Konzeptes der "Freiheit" niemals aufgekommen. Hier gab es das Verständnis des "Freien Willen", und das ist eine ganz andere Sache! Im Westen können viele bis heute nicht Verstehen worum dabei die Rede ist. Die "Freiheit" und der "Freie Wille" sind doch keine Gleichwörter, keine Synonyme. Natürlich hat sich demgemäß unser Rechtsystem etwas anders herausgebildet.

Die Idee veränderte ihre Form, die Norm modernisierte sich, unter die imperialen Standards anpassend, doch die Kultur blieb immer die Kultur. Gerade im Rahmen der Kultur und nicht im Rahmen des Gesetzes, wie die Prinzipien der staatlichen Regulierung sich im Westen realisierten.

Als es der Zarin Katharina II leicht vorgeworfen wurde, dass es bei im Staat ihr keine Rechtsnormen gibt, und dass die Alleinherrschaft schlecht sei, entgegnete sie, dass es erstens, die Rechtsnormen sehr wohl gibt und zweitens, dass man manchmal auch "nach Gnade" urteilen muss.

Somit war der Westen außerdem aufs Äußerste darüber besorgt, dass die kulturelle Expansion auf Russland äußerst langsam verläuft.

Es geht darum, dass die Kulturelle Expansion außerhalb der Rahmen der technologischen Expansion gar nicht möglich ist, und genau damit gab es große Probleme: Der Westen hatte es nicht eilig, mit uns seine Technologien zu teilen.

Denn wenn man neue Technologien erwirbt, so erwirbt man auch unausweichlich einen Teil der Kultur, in deren Rahmen diese möglich wurden. Peter der Große strebte nach der Einführung der Elemente des westlichen Bewusstseins in Russland ganz und gar nicht weil er ein so leidenschaftlicher Westler war.

In erster Linie brauchte er eine zeitgemäße Industrie und eine zeitgemäße Armee, begründet nach westlichem Vorbild, die somit fähig wäre, diesem Westen standzuhalten, und dass ist unmöglich ohne die Einführung der Elemente der westlichen Denkweise.

Folglich, erwies es sich als nötig, zwangsmäßig, in wortwörtlichem Sinne zwangsmäßig, einige absolut westliche Standards bezüglich der Kleidung, des Aussehens, des Etiketts und des Umgangs einzuführen.

Verständlicherweise wurden unter Peter auch viele Fehler gemacht, aber das Ergebnis ist doch augenfällig. Peter der Große war der Einzige, der in Russland eine erfolgreiche Modernisierung durchgeführt hatte, der zweite war Stalin.

Mehr Beispiele erfolgreicher Modernisierungen haben wir nicht. Man kann sie nach belieben aller Todsünden beschuldigen, doch ein Ergebnis ist ein Ergebnis. Und wenn du sehr ernsthafte Feinde hast, dann wird sie gerade ein positives Ergebnis am meisten in Wut bringen. 

Wenn wir heute darauf schauen, welche Schlachten auf historischem Felde geführt werden, so werden wir sehen, dass Peter der Erste kaum besser dasteht als Stalin, im Sinne der Menge aller Sünden die ihm angehängt worden sind.

Nun, was war musste eigentlich der Westen vornehmen, um erfolgreich seine Interessen in Russland voranzutreiben? Der einzige Ausweg wurde in der vollständigen Zerstörung des Staatsapparates gesehen, dass heißt in Russland sollte eine Revolution erfolgen.

Woodrow Wilson, als er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten wurde,  sagte (wenn ich mich nicht täuschte) im Jahre 1915: "Wir begrüßen das Erstarken der Russen an den Fronten des Weltkrieges, doch ein siegreicher Kriegsausgang für das Russische Imperium ist äußerst unerwünscht".

Na ja, und David Lloyd George[7] sagte, als er von der Abdankung des Zaren erfuhr: "Gott sei Dank! Eines der Ziele des Krieges ist erreicht!". In einigen Quellen steht es geschrieben: "Eines der wichtigen Ziele des Krieges". Doch das findet keine Bestätigung, weil ich mich auf die Dokumente der Tochter des (US-) Botschafters in Russland beziehe. Das Wort "wichtig" ist dort zwar nicht vorhanden, doch nichtsdestoweniger, ist dieser Satz ist ziemlich bemerkenswert.

Die allmähliche Überzeugung davon, dass in Russland die Religionsfreiheit  fehlt und dass es notwendig ist, Druck auf Russland auszuüben, um die Zerstörung des "versteinerten" Systems der Russisch Orthodoxen Kirche zu erzwingen.

Und so weiter und so fort, man kann dass bis ins Unendliche fortsetzen, man kann eine ewig lange Liste von Überschriften amerikanischer Zeitungsartikel vorbringen, wie ich es bereits sagte, angefangen von 1912 und bis in unsere Tage, da werden wir keinen Unterschied sehen.

Eine Ideologische Waffe kann kaum weniger zerstörerisch sein als die Massenvernichtungswaffen einschließlich nuklearer. Der Feind hat gegen uns diese Waffe eingesetzt.

Dass ist der Krieg, und zwar ein wahrhafter. Und "A la guerre, comme a la guerre" (sinngemäß übersetzt: Im Krieg ist es wie es ist). Unsere Waffe ist die Wahrheit, und die Wahrheit liegt darin, dass man sich nicht in fruchtlose ideologische Diskussionen einmischen soll, es ist sinnlos.

Einem Gläubigen Menschen ist es unmöglich zu beweisen, dass es keinen Gott gibt, einem Atheisten ist es unmöglich zu beweisen, dass es ihn gibt, denn beide glauben. Dass ist eine Frage der Ideologie.

Wir müssen unseren Gegnern einen wissenschaftlichen Diskurs aufzwingen: wenn sie auf Wissenschaftlichkeit prätendieren, dann sollen in ihrem Film sie jeden Satz auch beweisen können (gemeint ist der Film "The Soviet Story" – A.d.Red.). Beweisen werden sie es nicht können. Es geht um eine Fälschung? Das ist doch kein ernsthaftes Gespräch. Wenn sie ein ernsthaftes Gespräch wollen, dann werden sie es bekommen. Wir sind bereit.



Noch einen Frage, die man besprechen sollte: kann man eine Begründung dafür finden, dass die Rehabilitierung (Wiederkehr) des Faschismus mit einer Erniedrigung der Sowjetunion anfangen soll.

 

Video - Teil 10

 

Ich denke, dass wir diese Frage schon indirekt geklärt haben, obwohl es natürlich noch einiger Ergänzungen bedarf.

Selbstverständlich ist die Zerstörung der Sowjetunion für unserer Opponenten nicht genügend. Die Sowjetunion soll gerade erniedrigt werden, und diese Versuche die UdSSR zu erniedrigen wiederholen sich mit einer manischen Hartnäckigkeit, die einer besseren Anwendung würdig ist.

Es ergibt keinen Sinn, aber die Versuche wiederholen sich. Das heißt, dass dieser Prozess gar nicht so unumkehrbar ist.

Aber diese Versuche hören gar nicht auf, man beobachtet sogar ganz deutlich eine Steigerungstendenz.

Wozu brauch mandieSowjetunion zu erniedrigen? Sowjetunion und Deutschland befanden sich auf Gegenseiten einer historischen Schaukel, wenn man es so ausdrücken könnte. Und wenn das Nazismus hochgehoben werden sollte, dann muss die UdSSR erniedrigt werden.

Wir waren die einzigen Antagonisten des Nazismus. Was auch immer man über das kommunistische rote Projekt auch sagt, es war ein Streben nach oben und in die Zukunft, und das nazistische Projekt war ein Niedergang in die Hölle, in den Abgrund. Gerade der sowjetische Soldat stellte sich quer und verhinderte das Abrutschen in diesen Abgrund, er hat dieses Biest, im eigentlichen Sinne des Wortes, angehalten.

Man spricht heute über den enormen Beitrag in der Vernichtung des Nazismus (Faschismus) seitens der Länder der Anti-Hitler-Koalition. Ja, sie haben einen Betrag geleistet, wir wollen das keinesfalls bestreiten. Aber der Faschismus wurde nicht auf den Schlachtfeldern von Westeuropa vernichtet, dieser hat sich dort recht wohl gefühlt. Und das westliche Europa hat auch nicht besonders viel unter dessen Besatzung gelitten, zumindest in Belgien und in Dänemark arbeitete das demokratische Parlament und es wurden die Nationalarmee und die Polizei gar nicht entwaffnet. EinenetteBesatzung!

Die heutigen westlichen Historiker können es bisher nicht verstehen, warum die SS-Truppen das französische Dorf namens Oradour-sur-Glane[8] verbrannt haben. Es war eine schreckliche Tragödie: fast am Ende des Krieges wurden 600 Menschen in eine Scheune gejagt und verbrannt. Ja, es war eine schreckliche Tragödie, aber im Weißrussland wurde jedes 4-te Dorf verbrannt und niemand denkt: "Warum?" Esseiirgendwienormal. Sollteesgenausosein?!

Ich will keinesfalls die Geschehnisse in Weißrussland und in Oradour-sur-Glane gegenüberstellen, sie sind gleich, da jedes Menschenleben, das auf eine solche Weise genommen wird, ist heilig. Aber die Tatsache bleibt, dass wir 27,000.000 Menschenleben verloren haben, inklusive Zivilbevölkerung: an Hunger, an Bombardements. Und das zu vergessen ist sündhaft. Jedes Leben, das in unserem Land gegeben worden ist, lag auf dem Altar des Sieges.

Was die Truppen des Westens betrifft: des Englands, der USA, so haben sie mehr als genug Möglichkeiten gehabt, die Zweite Front zu eröffnen und unsere Lage zu erleichtern. Allerdings eröffneten sie diese erst dann, als es eigentlich darin keine Notwendigkeit mehr lag.

Es geht aber nicht darum. Die Wahrnehmung der Sowjetunion ist nirgends verschwunden, sie ist geblieben, man erinnert sich an diese, man verspürt Heimweh: die einen, weil es in Mode kommt, die anderen, weil sie wirklich nicht nur die verlockenden Seiten sehen, sondern die Grundwerte, das, was im Leben eines jeden Volkes sein sollte und was es im heutigen Leben nicht gibt.

Die Sowjetunion bleibt somit als reelle politische und ideologische Kraft, mit der man rechnen muss, ansonsten ist es unklar, wofür dieser ganze Trommelwirbel diene.

Folglich ist die Sowjetunion im ideellen Sinne nirgends verschwunden, genauso wie auch das Dritte Reich.

Das Verschwinden von der politischen Karte eines Staates, das von bestimmter Farbe geprägt und zusätzlich durch einen mächtigen ideologischen Kontext unterstützt wurde, bedeutet ganz und gar nicht seine Verschwinden im ideellen Sinne. Weder Sowjetunion, noch das Dritte Reich sind in diesem Sinne verschwunden, das heißt, dass der entscheidende Kampf uns noch bevorsteht. Und das demokratische Westen nimmt offensichtlich die Seite des Dritten Reichs an.

Es mag vielleichtallzu pathetisch klingen, aber gerade vom Ausgang dieses Kampfes hängt die Zukunft der Menschheit ab.

Und als Beweis dessen, dass die Sowjetunion nirgends verschwunden ist, und noch mehr, dass diese weiterhin siegt, dienen uns anschaulich die Ergebnisse der vor kurzem vergangenen Olympiade. Wer siegte bei dieser Olympiade nach Mehrzahl der Medaillen gerechnet? Offiziell, natürlich die Vereinigten Staaten und so weiter, aber wenn wir es aus einem anderen Sichtspunkt betrachten, dann sehen wir, dass es die Union der Sowjetischen Sozialistischen Republiken gesiegt hat!

Die gesamte Zahl der Medaillen bei den ehemaligen sowjetischen Republiken übersteigt jedes Maß, nach allen Parametern. Die Sowjetunion existiert seit 20 Jahren nicht mehr, aber die setzt ihre Siege fort, und das bringt natürlich unsere westlichen Partner in Wut.

Wenn sie es für nötig hielten, das nazistische Projekt wiederzubeleben, entsprechend korrigiert und modernisiert, dann müssen sie dringend etwas mit der Wahrnehmung der UdSSR machen. Und die Verbreitung solcher Filme (gemeint ist der Film The Soviet Story" – A.d.Red.) dient gerade diesem Ziel.

 



[1] Sowjet (russisch – "Rat") war die Bezeichnung für bestimmte Verwaltungsorgane in der Sowjetunion. Ursprünglich waren die Sowjets die aus den Revolutionen von 1905 und 1917 hervorgegangenen basisdemokratischen Arbeiter- und Soldatenräte.

[2] Anton Iwanowitsch Denikin (geb. 1872 in einem Vorort von Włocławek (Leslau, Polen); † 18. August 1947 in Ann Arbor, Michigan, USA) war ein russischer Generalleutnant und einer der wichtigsten Kommandeure der Weißen Armee, die gegen die Herrschaft der Bolschewiki kämpfte.

[3] Die Romanows sind ein altes russisches Adelsgeschlecht und nach den Rurikiden die zweite Dynastie, aus der die russischen Zaren hervorgingen.

[4] Konstantin Nikolajewitsch Leontjew (1831-1891) ein bedeutender russischer Denker, Religionsphilosoph der konservativen Richtung, Slawophile, Schriftsteller, Literaturkritiker, Publizist des 19. Jahrhunderts. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts begann die Slawistik und die Religionswissenschaft den russischen Religionsphilosophen wieder zu entdecken und seine Philosophie als interessanten Konterpunkt in der damaligen politisch-philosophischen Strömung zu werten.

[5] Das im Jahre 1957 gebaute berühmte Denkmal "Aljoscha" ist in der zweitgrößten Stadt Bulgariens Plowdiw als Gedenken für die während der Befreiung Bulgariens im Zweiten Weltkrieg gefallenen sowjetischen Soldaten errichtet.

[6] Großer Vaterländischer Krieg – der Teil des Zweiten Weltkrieges, der am 22. Juni 1941 mit dem Angriff des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion begann und am 8./9. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht endete.

[7] David Lloyd George (1863-1945) war ein britischer Politiker. Er wurde während des Ersten Weltkrieges zum Premierminister gewählt.

[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Oradour-sur-Glane